deutschland ist ein athlet

eine sehr schöne videoproduktion zu einem sehr schönen track:

friedlicher deutscher partypatriotismus

weil italien einen wm-titel mehr als deutschland gewann, schoss heute morgen ein fan der deutschen fussballnationalmannschaft zwei fans der italienischen in einen hannoveranischen lokal nieder. der 47-jährige franco s. starb aufgrund schwerer kopfverletzungen kurz darauf. das zweite opfer, der 49-jährige giusuppe l., schwebt noch immer in lebensgefahr.
nachtrag: giuseppe l. erlag in der nacht zum dienstag seinen tödlichen verletzungen

damit erreicht der deutsche neofaschismus während der wm einen traurigen höhepunkt. war doch immer wieder während der männerfussballweltmeisterschaft ein erhöhtes gewaltpotential deutscher fans zu beobachten.
in den deutschen medien wird der neofaschistisch-motivierte mord bereits heruntergespielt. von seiten des zweiten deutschen fernsehens hieß es zum beispiel:

Streitigkeiten sind im „Columbus“, direkt in Hannovers Rotlichtviertel, eher an der Tagesordnung. Seit Jahren treffen sich hier zwielichtige Nachtschwärmer auf ein letztes Glas. Wirklich einladend wirken weder der Eingangs- noch der dunkle, stark verrauchte Thekenbereich. Tageslicht ist eine Seltenheit und durchflutet den langen dunklen Thekenbereich nur wenige Meter. Hierher lockt vor allem die Öffnungszeit – 24 Stunden rund um die Uhr gibt es Alkohol. […] Dann hörte ich Schüsse und Schreie“, erzählt die 46-jährige Hatice Topcu. Für sie war es nur eine Frage der Zeit, wann so etwas passiert.

schuld an den mord ist demzufolge nicht vor allem der deutsche täter selbst, sondern vielmehr die äußerlichen umstände, die den deutschen fan dazu brachten „auszurasten“.
eine andere erklärung würde wahrscheinlich wohl auch nur die „friedlichen“ deutschen in ihrem fan-sein stören.

„wir waren wie eine große familie“

aufklärung durch die bundeszentrale für politische bildung kann so unterhaltsam sein. ein meilenstein der extremismusforschung:

Krawall und Remmidemmi?

Adrian B. war 14 Jahre alt, als er bei seiner ersten Antifa-Demo mitmarschierte. Mit Julia Rotenberger spricht er über Krawalle, linksextremistische Dresscodes und die Gründe seines Ausstiegs aus der Szene.

Adrian, ein Jahr lang warst du Mitglied einer Hamburger Antifa-Gruppe. Wie hast du dich gefühlt?

Am Anfang haben mir die Demos großen Spaß gemacht. Für mich waren sie ein großer Egoschub, ich fühlte mich stark in der Masse. Ich fühlte mich eben wie jemand, der die Welt verändern kann.

Verfolgte die Gruppe durch die Demonstrationen konkrete politische Ziele?

Die Ziele waren oft nur grob umrissen. Meist fanden die Demos ohne ein konkretes Ziel statt, aber aus konkretem Anlass. Zum Beispiel als spontane Gegenaktion zu einem Nazi-Aufmarsch. Anfangs hatte ich schon das Gefühl, in der Antifa bestimmte politische Ziele zu verfolgen. Wir wollten die Leute über die rechte Szene aufklären. Mittlerweile weiß ich, dass dort meistens bloße Gewalt ohne politischen Hintergrund herrscht.

Heute distanzierst du dich von der Antifa. Was hat dich damals zum Beitritt bewogen?

Was mich damals beeindruckte, war die Brutalität, der Radikalismus und die Durchsetzungskraft der Antifa. Innerhalb der Organisation herrschte ein starker Zusammenhalt, es gab keinen Verrat. Wir waren wie eine große Familie.

Wie ist die Organisation strukturiert?

Es gibt einen festen Kern von etwa zehn Leuten, die sich aber nicht zeigen. Ich habe gehört, dass diese sich auch in der rechten Szene bewegen. Sie informieren andere Antifa-Aktivisten über die Aktionen, die von den Rechtsextremisten geplant werden, und organisieren Gegenschläge. Die offizielle Arbeit, wie das Verteilen von Flyern bei angemeldeten Demos, wird von Leuten übernommen, die noch nicht polizeilich auffällig geworden sind.

Gibt es Regeln, um bei einer Antifa-Aktion teilnehmen zu können?

Du musst Mitglied sein. Ein vermummtes Gesicht ist Pflicht und du musst auch bestimmte Farben tragen: Schwarz und Rot. Außerdem kriegt jeder die Telefonnummer eines bestimmten Anwalts, den er anrufen soll, wenn er von der Polizei festgenommen wurde.

Wo siehst du die Antifa im politischen System?

Nirgendwo. Die Antifa ist ein System für sich. Durch die Parteien fühlen sich die meisten Mitglieder nicht vertreten. Eigentlich glauben sie, die Einzigen zu sein, die etwas gegen Rechtsradikalismus unternehmen. Sie sind wütend auf den Staat, weil sie glauben, dass er zu lasch mit den Rechten umgeht. Deswegen richtet sich die Antifa nicht nur gegen Rechtsradikale, sondern auch gegen den so genannten Polizeistaat. Oft setzen die Mitglieder Polizisten mit Faschisten gleich. Überhaupt sind Hass und Angst vor der Polizei die zwei tragenden Säulen der Antifa.

Spiegelt sich diese Einstellung in der Ideologie der Antifa wieder?

Die Antifa folgt keiner klar definierten Ideologie: Irgendwie ist es ein Mix aus allem. Als Vorbilder dienen historische Figuren wie Marx, Lenin oder Che Guevara. Dabei ist das Charisma der Figur entscheidend, nicht nur die Ideen, die sie vertreten hat.

Was war nach einem Jahr der Anlass für deinen Ausstieg?

Das Hamburger Schanzenfest 2005. Es gab heftige Krawalle. Polizisten wurden verletzt. Als ich dann in dem ganzen Tumult die Polizei mit den Wasserwerfern sah, fragte ich mich, was wir eigentlich mit all den Protesten erreichen wollten. Mir wurde klar, dass sie nichts bringen. Als Linker muss man vor allem tolerant sein und auch konservativere Einstellungen dulden. Bei der Antifa ist das aber nicht der Fall. Sie duldet keinen Widerspruch.

Linksextreme Bewegungen in in Deutschland Bewegungen, die der Verfassungsschutz als linksextrem einstuft, wenden sich gegen die Gesellschafts- und Staatsordnung der Bundesrepublik Deutschland. Dazu gehören beispielsweise die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) oder die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD).

Die meisten verbinden Linksradikalismus mit den traditionellen Krawallen in der Nacht zum ersten Mai und regelmäßigen Ausschreitungen bei Aufmärschen Rechtsradikaler. Diese werden vor allem von autonomen
Gruppen wie der Militanten Gruppe (mg) oder der Antifa organisiert.

Antifa ist die Abkürzung von Antifaschistische Aktion. Die Antifa ist in mehreren lokalen Gruppen organisiert, vor allem in großen Städten wie Berlin und Hamburg. Laut Aussagen ehemaliger Mitglieder hat sich die Antifa in den vergangenen Jahren zunehmend radikalisiert.
(Marcel Stuht)

via kaffee und kuchen

hilfe zur selbsthilfe

währendessen ganz fussballdeutschland im nationalen taumel und (reichskriegs-)fahnenmeer aufgeht, plant das deutsche bundesinnenministerium ein „aussteigerprogramm für linksextreme“. „Die Hotline für Linksradikale wird im Herbst freigeschaltet“ heißt es da. inwieweit das angebot genutzt wird ist allerdings fraglich. selbst deutschlandtreue-leserInnen sehen das programm als nicht erfolgsversprechend. begründet wird dies unter anderem mit der „anarchistischen Ideologie und dem chaotischen Aufbau dieser Gruppierungen.“